Im Herner Stadtgebiet sehen wir bei Baugruben und Geländesprüngen immer wieder das gleiche Bild: ein Gemisch aus quartären Sanden und Kiesen über den sogenannten Emscher-Mergeln. Diese Wechselfolge ist typisch für das nördliche Ruhrgebiet und reagiert empfindlich auf Wasserzutritt. Die Mergel verwittern schnell, wenn sie an der Luft liegen. Eine Böschungsstabilitätsanalyse, die nur mit Standardkennwerten arbeitet, greift hier zu kurz. Entscheidend ist die lokale Erfahrung mit dem Schichtenaufbau. In Herne kommt dazu der Einfluss ehemaliger Bergsenkungen, die das Spannungsgefüge im Untergrund verändert haben können. Bevor eine Böschung länger als ein paar Tage offen steht, sollte die Geometrie rechnerisch mit realen Bodenparametern abgesichert sein. Das kombinieren wir oft mit einer Korngrößenanalyse, um die Erosionsanfälligkeit der sandigen Lagen zu beurteilen.
Verwitterte Emscher-Mergel verlieren innerhalb von 48 Stunden nach Freilegung bis zu 60 Prozent ihrer ursprünglichen Kohäsion – ein kritischer Wert für die Standsicherheit.
Lokale Besonderheiten
Der häufigste Fehler bei Aushüben in Herne ist die Annahme, der Emscher-Mergel sei ein standfester Fels. In Wirklichkeit ist es ein stark vorbelasteter, geklüfteter Tonstein, der bei Entlastung und Wasserzutritt zu einem zähen Brei zerfällt. Eine Böschungsstabilitätsanalyse, die mit zu hohen Kohäsionswerten rechnet, gibt eine trügerische Sicherheit. Wir sehen oft Baugruben, die nach einem Starkregenereignis lokal abscheren, weil die Sickerlinie im Modell nicht korrekt abgebildet wurde. Ein weiteres Risiko sind alte Tagesbrüche oder verfüllte Schächte aus der Bergbauzeit, die den Untergrund inhomogen machen. Ein rechnerischer Nachweis, der diese Störungen ignoriert, kann im Versagensfall massive Verzögerungen und Regressforderungen nach sich ziehen.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 4084:2021-04 (Geländebruchberechnungen – Teilsicherheitsbeiwerte), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1998-5:2010-12 (Eurocode 8: Gründungen, Stützbauwerke und geotechnische Aspekte)