Die geologischen Verhältnisse im Ruhrgebiet stellen für die Erdbebenisolationsbemessung eine besondere Herausforderung dar. Während Herne mit seinen rund 156.000 Einwohnern nicht unmittelbar an einer aktiven Plattenrandzone liegt, erfordern die weichen quartären Lockergesteinsböden der Emscher-Niederung sowie die Erschütterungen aus dem Altbergbau eine sorgfältige dynamische Analyse. Die Erdbebenisolierung muss hier nicht nur die niederfrequenten Fernbeben aus der Niederrheinischen Bucht abfangen, sondern auch die kurzperiodischen Anregungen aus lokalen Bodenverstärkungen. Unser Labor führt dafür standortspezifische Untersuchungen durch, die von der seismischen Mikrozonierung über die Bestimmung von Scherwellengeschwindigkeiten mittels MASW bis zur numerischen Modellierung der Isolationssysteme reichen und die Anforderungen der DIN EN 1998-1:2010-12 mit nationalem Anhang für Herne erfüllen.
Die seismische Isolation in Herne muss die doppelte Gefahr aus Fernbeben und bergbaubedingten Erschütterungen auf steifigkeitsvariablen Böden beherrschen.
Lokale Besonderheiten
Herne liegt in der Erdbebenzone 1 nach DIN EN 1998-1/NA, was einem Intensitätsintervall von 6,0 bis < 6,5 nach EMS-98 entspricht. Die Gefahr geht hier weniger von extremen Magnituden aus als von der Kombination aus weichen quartären Talfüllungen mit Mächtigkeiten über 20 Metern und den künstlich veränderten Untergründen durch den historischen Steinkohlebergbau. Wird die Erdbebenisolationsbemessung vernachlässigt, können bereits moderate Erschütterungen zu Resonanzeffekten in Gebäuden mittlerer Höhe führen, weil die Eigenfrequenz der weichen Deckschichten oft mit der Bauwerksfrequenz zusammenfällt. Zudem besteht auf den zahlreichen innerstädtischen Auffüllungsflächen die Gefahr von Setzungsmulden unter zyklischer Beanspruchung, die die Funktion der Isolationsfuge beeinträchtigen und zu Verkantungen der Lager führen können.
Geltende Normen
DIN EN 1998-1:2010-12 (Eurocode 8), DIN EN 1998-5 (Gründungen, Stützbauwerke), DIN EN 15129:2018 (Erdbebenschutzsysteme), DIN 4149 (zurückgezogen, noch für Bestandsreferenzen), ASTM D4015 (Dämpfung und Moduln, Labor)
Häufige Fragen
Warum ist in Herne eine Erdbebenisolierung nötig, obwohl es keine Starkbeben gibt?
Herne liegt in der Erdbebenzone 1 mit potenziellen Intensitäten bis 6,5. Entscheidend sind die lokalen Bodenverhältnisse: Die mächtigen quartären Sedimente der Emscher-Niederung können seismische Wellen verstärken, und der historische Bergbau hat die Untergrundsteifigkeit unberechenbar gemacht. Eine Erdbebenisolierung schützt nicht nur vor Fernbeben, sondern auch vor den dynamischen Setzungen, die auf diesen inhomogenen Böden bei zyklischer Belastung auftreten.
Mit welchen Kosten muss man für eine Erdbebenisolationsbemessung in Herne rechnen?
Für eine vollständige Erdbebenisolationsbemessung inklusive geophysikalischer Erkundung, numerischer Modellierung und Auslegung der Isolatoren liegen die Kosten in Herne typischerweise zwischen €4.300 und €7.960, abhängig von Gebäudegröße und erforderlichem Erkundungsumfang. Die Investition amortisiert sich durch geringere Bauwerksschäden und Betriebsunterbrechungen im Erdbebenfall.
Welche Isolationssysteme eignen sich für den Baugrund in Herne?
Auf den weichen Sedimenten von Herne haben sich Gleitpendelsysteme mit verlängerten Gleitflächen bewährt, da sie große Verschiebungen ohne Verkantung aufnehmen können. Für steifere Bauwerke kommen alternativ hochdämpfende Elastomerlager zum Einsatz. Die Wahl hängt von der ersten Eigenperiode des Bauwerks ab, die wir so verschieben, dass sie außerhalb des Verstärkungsbereichs des lokalen weichen Bodens liegt.