Der Hydraulikbagger mit angebauter Kernbohrvorrichtung setzt am Rand der ehemaligen Zeche Friedrich der Große an, um den ersten Aufschluss für die Tunneltrasse zu gewinnen. In Herne, wo der tiefe Untergrund aus einer komplexen Abfolge von verwittertem Tonstein des Oberkarbons, kreidezeitlichem Emscher-Mergel und quartären Auffüllungen besteht, ist die geotechnische Analyse für Tunnel in weichem Boden kein standardisierter Prozess. Die 157.000-Einwohner-Stadt im nördlichen Ruhrgebiet stellt mit ihren oft unbekannten Altablagerungen und dem schwankenden Grundwasserspiegel im Emscherland besondere Anforderungen an die Baugrunderkundung. Unser Labor nutzt dazu moderne Drucksondierungen und Laboranalysen, um das Verformungsverhalten des Gebirges präzise zu prognostizieren. Die Kombination aus historischen Bergbaukarten, die das RAG-Archiv für Herne bereithält, und aktuellen CPT-Versuchen liefert die nötige Datendichte, bevor ein einziges Vortriebsgerät anrollt. Ergänzend dazu helfen Schürfgruben in den oberflächennahen Schichten, die genaue Zusammensetzung der anthropogenen Auffüllungen zu bestimmen, die in Herne bis zu acht Meter mächtig sein können.
Die Stabilität eines Tunnels in Herne entscheidet sich nicht am Bohrkopf, sondern in der korrekten Modellierung der Entfestigung des Emscher-Mergels bei Wasserzutritt.
Lokale Besonderheiten
Die spezielle klimatische Situation Hernes im Emschertal — mit einem mittleren Jahresniederschlag von rund 800 mm, der häufig als lang anhaltender Landregen fällt — beeinflusst die geotechnische Analyse für Tunnel in weichem Boden unmittelbar. Anders als im trockeneren Lee des Sauerlands sättigt die kontinuierliche Feuchtigkeit die bindigen Deckschichten und erhöht die Gefahr von Stauwasserhorizonten, die den Vortrieb unerwartet erschweren können. Ein weiteres signifikantes Risiko resultiert aus der bergbaulichen Vergangenheit: Herne wurde über Jahrzehnte von tiefen Schachtanlagen durchörtert, deren exakte Verfüllqualität oft unzureichend dokumentiert ist. Trifft eine Tunnelbohrmaschine auf einen alten, nicht erfassten Blindschacht mit losem Versatzmaterial, kann dies zu massiven Verbruchzonen und Tagesbrüchen führen. Die Herausforderung liegt in der Synthese von historischer Recherche beim Landesamt für Geologie NRW, geophysikalischer Vorfelderkundung mittels Seismischer Refraktion und direkter Baugrundaufschlüsse, um solche Althohlräume zu detektieren und den Vortriebsdruck entsprechend zu steuern.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DIN EN ISO 14688-1:2020-11 (Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Boden), ÖNORM B 2203 (Untertagebauarbeiten — Werkvertragsnorm für konventionellen und kontinuierlichen Vortrieb), DIN 18312:2019-09 (VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen — Teil C: Untertagebauarbeiten)
Häufige Fragen
Welche geotechnischen Besonderheiten hat der Baugrund in Herne speziell für den Tunnelbau?
Herne liegt im Übergangsbereich zwischen den Lockergesteinen des Münsterländer Beckens und dem variszisch gefalteten Grundgebirge. Die größte Herausforderung sind die oft über 5 Meter mächtigen, setzungsempfindlichen Auffüllungen aus der Bergbauzeit sowie der Emscher-Mergel, der bei Wasserzutritt von einem festen Fels zu einem weichen, plastischen Boden entfestigt. Zudem existieren zahlreiche alte Grubenbaue und Schächte, deren genaue Lage nicht immer vollständig dokumentiert ist und die ein erhebliches Verbruchrisiko darstellen.
Mit welchen Kosten muss man für eine geotechnische Analyse für einen Tunnel in weichem Boden rechnen?
Der finanzielle Rahmen für eine belastbare geotechnische Analyse liegt üblicherweise zwischen €3.950 und €13.640, abhängig vom erforderlichen Umfang der Kernbohrungen, der Anzahl der Laborversuche und der Komplexität des numerischen Modells. Der Preis richtet sich nach den spezifischen Erkundungsphasen der DIN 4020 und der geforderten Tiefe des Aufschlusses.
Wie wird die Ortsbruststabilität in den weichen Böden Hernes nachgewiesen?
Der Nachweis erfolgt rechnerisch nach DIN EN 1997-1 mit dem Nachweisverfahren GEO-3 für den Grenzzustand der Tragfähigkeit. Bei geringer Überdeckung unterhalb von Bebauung oder Infrastruktur setzen wir finite Elemente Modelle (FEM) ein, um die Spannungsumlagerung und das Verformungsverhalten im Bruchzustand zu simulieren. Entscheidend ist die realitätsnahe Abbildung der undränierten Scherfestigkeit des Emscher-Mergels, die wir aus CPTu-Daten und Triaxialversuchen ableiten.
Welche Rolle spielt die alte Bergbauaktivität unter Herne für heutige Tunnelprojekte?
Eine zentrale. Der Steinkohlenbergbau hat den Untergrund bis in über 1000 Meter Tiefe durchörtert und verändert. Für flachere Tunnel sind besonders die oberflächennahen Schächte und die tagesbruchgefährdeten Bereiche relevant. Wir gleichen die Risswerke der Bezirksregierung Arnsberg mit aktuellen geophysikalischen Messungen ab, um Hohlräume und aufgelockerte Zonen zu identifizieren, bevor ein Vortrieb beginnt. Diese Analyse ist für die Standsicherheit unverzichtbar.
Ab welcher Tiefe spricht man in Herne von 'weichem Boden' beim Tunnelvortrieb?
Die Klassifikation 'weicher Boden' ist nicht rein tiefenabhängig, sondern material- und spannungsabhängig. In Herne können Sie bereits in 3 Metern Tiefe auf weiche Auenlehme stoßen, während der Emscher-Mergel in 15 Metern Tiefe bei ungestörtem Zustand fest ist, aber durch Lösungsprozesse oder tektonische Beanspruchung zu einem weichen Boden degradieren kann. Entscheidend ist die einaxiale Druckfestigkeit von unter 1 MPa im Laborversuch, die wir für jede Kernkiste abschnittsweise bestimmen.